Herzinfarkt
Glück im Unglück

Wer einen Herzinfarkt erleidet, schwebt zwischen Leben und Tod. Der Kampf ums Überleben kann nur mithilfe einer optimalen medizinischen Notfallversorgung gewonnen werden. Frank Meister hat vier Herzstillstände überlebt.

Seit seinem Herzinfarkt trainiert Frank Meister vier Mal pro Woche im Fitnesscenter.

„Wenn mir ein anderer das erzählt hätte, was ich selbst erlebt habe, hätte ich ihm das nicht geglaubt“, sagt der 51-jährige Frank Meister. Es war an einem Samstag im April, er war mit dem Fahrrad unterwegs und spürte auf der Emmericher Rheinbrücke plötzlich Schmerzen in der Brust. „Weil ich als Außendienstler so viel im Auto sitze, habe ich gedacht, dass Rückenprobleme der Auslöser sind“, erzählt der muskulöse Mann etwa ein halbes Jahr danach. Obwohl die Schmerzen sehr stark waren und sich trotz des eher kühlen Wetters auf der Brust Schweißperlen gebildet hatten, ahnte er immer noch nicht, wie schlimm es um ihn bestellt war.

Erst als er zu Hause eintraf, realisierte seine Frau Ramona, was geschehen war: „Du hast einen Herzinfarkt!“ Dann ging alles ganz schnell – weil der Vater um die Ecke wohnt, wurde er herbeigerufen, um seinen Sohn in das Katholische Karl-Leisner-Klinikum in Kleve zu fahren."

Herzstillstand in der Notaufnahme

Frank Meister erinnert sich noch, wie er gestützt werden musste, um den Weg vom Krankenhausparkplatz zur Notdienstaufnahme überhaupt zu schaffen. Dort angekommen, verließen ihn die letzten Kräfte endgültig und der erste von insgesamt vier Herzstillständen setzte ein: „Ich war dabei zu sterben!“ Weil Frank Meister in den dramatischsten Stunden seines Lebens ohne Bewusstsein war, berichtet er über seine Geschichte erstaunlich gelassen und weist trocken darauf hin, dass ein „Herzinfarkt ja schließlich eine Volkskrankheit ist“.

Umso deutlicher ist die Verzweiflung seiner Frau auch heute noch spürbar: „Ich hatte Todesangst um ihn.“ Und dann erzählt sie von einem Bild, das sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben hat: „Als er nach etwa einer halben Stunde von der Notaufnahme auf die Intensivstation verlegt wurde, sah ich, wie ein Arzt auf seinem Bauch saß und ihn mit Herzmassagen zu reanimieren versuchte.“ Und nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: „Die Ärzte und das Pflegeteam haben insgesamt vier Stunden um meinen Mann gekämpft.“

Trotz des schnellen Eingreifens des Herz-Teams im Herzkatheterlabor musste er mehrfach mit Elektroschocks wiederbelebt werden. Durch die sofortige Herzkatheteruntersuchung konnte die verschlossene Infarkt-Arterie sehr schnell wieder geöffnet werden, danach stabilisierte sich Frank Meisters Zustand zusehends. Am nächsten Morgen saß er bei seinem Frühstück auf der Intensivstation vor seinem Bett und konnte die Oberärztin und ihre Helfer freudestrahlend begrüßen.

Wie erkenne ich einen Herzinfarkt?

Starke Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten andauern und oft in die Arme, zwischen den Schulterblätter, in den Rücken, den Oberbauch oder in den Hals und Kiefer ausstrahlen können.

Massives Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb, Angstschweiß mit kalter, fahler Haut.

Oft fühlen sich die Schmerzen eines Herzinfarkts wie heftiges Brennen an.

Bei Frauen treten häufig Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch als alleinige Alarmzeichen auf. Diese sogenannten „unspezifischen Anzeichen“ äußern sich jedoch in einem noch nie zuvor erlebten Ausmaß.

Quelle: Deutsche Herzstiftung

„Ich war mindestens zwei Monate vor diesem Vorfall ständig müde und war selbst im Urlaub völlig lustlos.“

Spitzenmedizin trifft Workaholic

Die präzise Abstimmung der Abläufe in Kleve führt zu überdurchschnittlich vielen Erfolgsgeschichten. So wird die Klinik für Kardiologie des St.-Antonius-Hospitals von der AOK Jahr um Jahr als Topklinik bewertet. Auch das „Herzinfarkt-Netzwerk-Niederrhein“, in das die Klinik eingegliedert ist, trägt zum exzellenten Ruf bei. Durch die optimale Vernetzung von Rettungsdienst und Krankenhaus sind die Überlebenschancen im Kreis Kleve um etwa 30 Prozent höher als im Landesdurchschnitt.

Im Nachhinein weiß Frank Meister, woran er hätte erkennen können, dass er ein Herzinfarkt-gefährdeter Mensch ist: „Ich war mindestens zwei Monate vor diesem Vorfall ständig müde und war selbst im Urlaub völlig lustlos.“ Woran es wirklich lag, dass sein Herz in relativ jungen Jahren streikte, weiß er nicht sicher. Seine Frau dagegen benennt mindestens zwei Faktoren, die als Ursache infrage kommen: das inzwischen eingestellte Rauchen und dass „Frank ein Workaholic“ ist. Ramona Meister hofft darauf, dass ihr Mann sein weiteres Leben ruhiger angeht. Und dann weist sie ihn lächelnd noch darauf hin, wie viel Glück er aufgrund des überragend guten Einsatzes des ganzen Klinikteams und der behandelnden Ärzte Dr. Omar Enafati und Herzkatheteroberärztin Dr. Stephanie Dingler doch gehabt hätte.

Leben nach dem Infarkt

Wie viel Sport? Oft erfahren Patienten in der Reha, wie stark sie sich körperlich nach einem Herzinfarkt belasten dürfen. Wenn Sie als Angehöriger ein Familienmitglied oder einen Freund bei der Genesung unterstützen wollen, dann sorgen Sie für gemeinsame Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder Nordic Walking. Ausdauersportarten sind für Patienten mit Herzerkrankungen besonders geeignet. Pro Tag sind 30 Minuten Bewegung ideal. Gute Dienste leisten Pulsuhren, um die vom Arzt empfohlene Pulsgrenze einzuhalten.

Vorsicht beim Sex? Die körperliche Anstrengung beim Geschlechtsakt wird häufig übersch.tzt: Sex mit einem festen Partner entspricht der Belastung von Treppensteigen über ein bis zwei Stockwerke oder einem flotten Spaziergang im Freien. Wer diese Aktivitäten problemlos bewältigt, der kann auch beruhigt Sex haben. Vorsicht: Nehmen Sie nie Potenzmittel gemeinsam mit Medikamenten gegen Herzenge oder Herzschwäche mit dem Wirkstoff Glyceroltrinitrat ein, wie zum Beispiel Nitrosprays. Sonst droht Lebensgefahr.

Wie mit der Angst umgehen? Für viele Menschen ist ein Herzinfarkt ein Schock. Später kommt die Angst vor einem erneuten Infarkt hinzu. Kein Wunder, dass Patienten in den ersten sechs Monaten nach einem Herzinfarkt dreimal häufiger an einer Depression erkranken als gesunde Menschen. Die Symptome äußern sich ganz unterschiedlich: Manche denken, sie sind „selbst schuld“ an der Erkrankung, andere sind ständig müde, leiden an Schlafstörungen oder sind antriebslos. Wer das Gefühl hat, aus dem Stimmungstief nicht herauszukommen, sollte mit seinem Arzt reden.