Intensive Schulung zum Umgang mit der Krankheit
Gut eingestellt

Im Klever Krankenhaus werden Diabetes-Patienten nicht nur „richtig eingestellt“, sondern auch intensiv im Umgang mit ihrer Krankheit geschult. Mit einer Veränderung des Lebensstils können sie viel erreichen.

Der Diabetes-Patient kann zufrieden sein: Nach einer Neueinstellung sind seine Werte im positiven Bereich.

Natürlich überbringt ein Arzt lieber gute Nachrichten, und an diesem Morgen hat Dr. Ufuk Gündug bei seiner Morgenvisite gleich im ersten Krankenzimmer auf Station 3b die Gelegenheit dazu. Der Mediziner, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Diabetologie, Hypertensiologie und Infektiologie, steht am Bett von Lothar Maier (Anm. d. Red.: Name geändert) und nimmt die Füße des Patienten in Augenschein. „Die sehen gut aus“, sagt Gündug. „Die Haut ist aber ein wenig trocken, vergessen Sie nicht, sie regelmäßig zu kontrollieren.“ Maier nickt zustimmend.

Zur „Neueinstellung“ in Klinik

Vor sieben Tagen war der Rentner ins St.-Antonius-Hospital eingeliefert worden, sein Diabetes, so beschreibt es Gündug, „war etwas außer Kontrolle geraten“. In solchen Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt unerlässlich, um den Patienten neu einzustellen,wie es heißt. Das ist nun geschehen, beim Blick in die Patientenakte sieht der Internist und Diabetologe dass die Werte sich stabilisiert haben. „Wir können Sie morgen entlassen“, sagt Gündug, und sein Patient lächelt erleichtert.

Diabetes Typ 2 weit verbreitet

In Deutschland leiden aktuell mehr als sechs Millionen Menschen an Diabetes mellitus. Es gibt zwei Arten von Diabetes: Beim Typ 1 handelt es sich um einen absoluten Insulinmangel, bei dem die körpereigenen Zellen zerstört werden, die das Hormon Insulin produzieren. Die übrigen 90 Prozent haben die Diagnose Typ 2, das heißt, die Körperzellen verlieren ihre Empfindlichkeit für das Hormon, weshalb die Bauchspeicheldrüse immer mehr davon produziert, um den scheinbaren Mangel auszugleichen. Hier spricht man von Insulinresistenz.

Auch im Klever Krankenhaus hat die überwiegende Zahl der rund 300 Patienten, die pro Jahr mit der Hauptdiagnose Diabetes aufgenommen werden, die zweite Form der Erkrankung, und auch Lothar Maier ist einer von ihnen. Seit 18 Jahren ist die Krankheit bei ihm erkannt, und sie begann so schleichend, wie es im Lehrbuch der Medizin steht, also mit einer allgemeinen Müdigkeit, vermehrtem Durstempfinden und vermehrtem Harndrang.

Gelegentlicher Kuchen erlaubt

Die Diagnose selbst führt heute nicht mehr zu so einschneidenden Veränderungen im Lebensstil, wie sie vor Jahrzehnten noch zur Behandlung gehörten. „Menschen mit Diabetes dürfen sich heute genauso ernähren wie Menschen ohne Diabetes“, sagt das Diabetes-Team von Dr. Gündug, das sich schwerpunktmäßig mit der
Erkrankung beschäftigt. Optimal sei mediterrane Kost, aber selbst ein Stück Kuchen oder ein Glas Wein sind nicht verboten. Dies darf aber nur als Ausnahme betrachtet werden.

Sehr häufig können Menschen mit Diabetes Typ 2 mit einer Ernährungsumstellung allein oder aber in einer Kombination mit Tabletten behandelt werden. Bei zunehmender Krankheitsdauer müssen sie allerdings mit einem Fortschreiten des Insulinmangels rechnen. Der dadurch veränderte Stoffwechsel muss dann mit Insulin-Injektionen
behandelt werden.

Böse Folgeerkrankungen

Einen hohen Stellenwert hat die gewissenhafte Schulung der Patienten: 21 Punkte umfasst die Checkliste, darunter natürlich „Blutzuckermessung“, „Insulininjektion“, aber auch Punkte wie Folgeerkrankungen und Fußpflege. Zu den Folgeerkrankungen können Schlaganfälle und Herzinfarkte gehören. Deshalb werden insbesondere übergewichtige Patienten dazu motiviert, abzunehmen und Sport zu treiben. „Seinen Lebensstil zu verändern, das kann bei dieser Krankheit viel bewirken“, sagen die Oberärztinnen Sofia Chatzisavvidou und Songül Yildiz aus dem Team von Dr. Gündug.

Problemzone Fuß

Die Füße wiederum sind ein Risikofaktor für Diabetes-Patienten, weil infolge der Unregelmäßigkeiten im Blutzuckerspiegel die feinen Nervenendungen in den Fußsohlen geschädigt werden. Die Folgen des sogenannten „diabetischen Fußes“ können drastisch sein, schildert Dr. Gündug: „Es gibt Patienten, die barfuß über einen heißen Sandstrand laufen und nicht merken, dass sie sich die Fußsohlen verbrennen.“

Derlei ist Lothar Maier noch nicht passiert. „Der Patient kennt seine Krankheit bestens“, sagt Gündug. Dennoch kann es passieren, dass die Zuckerwerte entgleisen. Doch in solchen Fällen sind Diabetiker wie Lothar Maier im St-Antonius-Hospital in den besten Händen.