Geschichte

Die Gründung
Das St. Nikolaus-Hospital Kalkar kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Ausgangspunkt war der 20. Februar 1846. An diesem Tag bot die aus Hanselaer stammende Johanna Hoffmann, Mitglied der Genossenschaft der barmherzigen Schwestern mit Hauptsitz in Münster und tätig im Töchterhaus der barmherzigen Schwestern in Geldern und später in Emmerich, der Stadt Kalkar die Schenkung von 4000 Talern preußisch Courant zur Gründung einer Anstalt barmherziger Schwestern in Kalkar an, "unter der Bedingung, dass nur die Zinsen von dem Kapital für diesen Zweck jährlich verwendet, das Kapital selbst aber nie angegriffen" werden sollte. Neben diesen 4000 Talern umfasste die Schenkung drei weitere Positionen, nämlich 200 Taler preußisch Courant, deren Zinsertrag für die "Anschaffung nützlicher guter Bücher" für eine der Anstalt angegliederte Nähschule oder die Schwestern benutzt werden sollte, 100 Taler preußisch Courant, deren Zinsertrag für acht jährlich zu lesende Messen für die Stifterin und ihre Familie gedacht war, und 200 Taler preußisch Courant, deren Zinsertrag von der römisch-katholischen Pfarrgemeinde für "gute nützliche Gebetbücher" als Geschenk für die Erstkommunionkinder verwendet werden sollte.
Es ist nicht überliefert, was Schwester Angela, so der Schwestername von Johanna Hoffmann, zu dieser Schenkung bewegte. Als Krankenpflegerin erlebte sie wohl tagtäglich die Not und Verzweiflung derjenigen, die arm und krank waren. Ihre Schenkung wird man daher wohl mit Freude und Dankbarkeit angenommen haben, auch wenn die Umsetzung eine längere Zeit in Anspruch nahm. In der Schenkungsurkunde von 1846 war zur Einrichtung der Anstalt ein Zeitraum von maximal fünf Jahren vorgesehen; danach sollte die Schenkung verfallen. Zwei Jahre waren schon verstrichen, als die Stiftung 1848 gegründet wurde, und zwei weitere sollten vergehen, bis die nächsten überlieferten Schritte, die Niederlegung der Statuten der Stiftung, erfolgten.
Mit einigen Mühen gelang es den Stadtvätern, ein Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters auf der Grabenstraße zu erwerben und für den vorgesehenen Zweck einzurichten. Im Dezember des Jahres 1850 war es dann endlich soweit: Die ersten barmherzigen Schwestern traten ihren Dienst in Kalkar an. Der Beginn der Arbeit wird in einem Artikel aus der Uedemer Volkszeitung vom 27. Oktober 1925 so beschrieben: "Nachdem am 5. Dezember 1850 zwei barmherzige Schwestern (Schwester Laurentia und Schwester Albertine) feierlichst eingeführt worden sind, hat die Anstalt am folgendem Tage, dem Tage ihres Schutzpatrons des hl. Nikolaus ihre Wirksamkeit unter dem Namen St. Nikolaushospital begonnen. An der feierlichen Einführung hat die ganze Bürgerschaft Calcars unter Dechant van Haag teilgenommen. Auch die ehrwürdige Mutter Helena aus Münster war zugegen. Am 7. Dezember haben schon vier Kranke Aufnahme gefunden."

Das Krankenhaus wächst
Die ersten Schwestern verrichteten ihr Werk unter schwierigen Bedingungen. Vor allem die räumlichen Gegebenheiten müssen immer wieder zu Problemen geführt haben. Zudem fügten die schweren Überschwemmungen 1855, 1862, 1873 und 1882-1883 dem Hospital beträchtliche Schäden zu. Dennoch entwickelte sich das Krankenhaus dank des unermüdlichen Einsatzes der barmherzigen Schwestern schnell weiter. Von Anfang an erhielten sie dabei Unterstützung von der Stadt und von der Kalkarer Bevölkerung. So stifteten 1851 die Eheleute Gerhard Aanstoot und Katharina-Magdalena Hagedorn 500 Taler, 1853 der Steuereinnehmer Haal 500 Taler und Dechant van Haag weitere 100 Taler sowie 1854 Kaplan Karl August Jaspers 500 Taler. Am 10. Juli 1863 kaufte die Stadt die an das Hospital angrenzende ehemalige Tabakfabrik, und 1867 schenkte Fräulein Elise Hangkamer die alte Scheune neben dem Krankenhaus, die später durch einen Neubau ersetzt wurde. Weitere Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft, die der Stadt gehörten, kamen hinzu, so das alte Isolierhaus, ein Gebäude am Ende des großen Gemüsegartens, in dem wahrscheinlich gewaschen und gebleicht wurde, und ein weiteres Areal, in dem um 1930 das sogenannte Oekonomiegebäude stand.
1855 wurde ein Leichenhaus errichtet, 1880 der Hospitalgarten durch den Ankauf der baufälligen Gebäude von Otten und Wasser auf der Grabenstraße erweitert. 1885 schenkte Ignatz Hangkammer der Stiftung das Haus 137 an der Grabenstraße inklusive einem daran angrenzenden Baugrundstück. Für damit verbundene Baumaßnahmen spendete 1886 Matthias Füchthuisen 1800 Mark. 1891 wurde das Isolierhaus umgebaut und wohnlicher eingerichtet. Die alte Scheune zwischen Krankenhaus und Isolierhaus wurde am 8. August 1900 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Am 6. Oktober 1902 weihte Dechant Bennemann diesen Neubautrakt ein, durch den das St.-Nikolaus-Hospital um einen neuen Operationssaal und geräumige Krankenzimmer erweitert wurde. Der Neubau bot auch einer Kapelle Platz; die jedoch erst ein Jahr später fertiggestellt und geweiht wurde und die alte Kapelle ersetzte, die seit 1855 den Schwestern und Kranken zu Gebet und Gottesdienst gedient hatte.
1901 erwarb das Kuratorium von einem Herrn Meyer die nördlich an das Hospital angrenzende Fläche des ehemaligen Dominikanerklosters, auf der früher die Marienkirche und der Friedhof der Dominikaner gelegen hatten. 1907 konnte das Kuratorium, durch eine private Spende finanziert, ein weiteres, 80 Ruten großes Stück Baumgarten des ehemaligen Dominikanerklosters erwerben. 1910 verkauft Frau Schürmann ihre Besitztümer, zu denen auch das Isolierhaus gehörte, für 3000 Mark an die Stiftung mit der Auflage, dass sie bis zu ihrem Tode dort wohnen bleiben konnte.

1912 erfolgte der Einbau einer Warmwasserheizung, 1914 der Ankauf des kirchlichen Waisenhauses durch das Kuratorium. 1921 wurde ein neuer Röntgenapparat angeschafft, eine Investition, die in den schweren Jahren nach dem 1. Weltkrieg nur durch die finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung möglich wurde. Am 7. August 1924 wurde eine neue Dampfwäschereianlage in Betrieb genommen, kurze Zeit später ein neues Leichenhaus fertiggestellt.
1927 erfolgten umfangreiche Neu- und Umbaumaßnahmen: Das alte Isolierhaus wurde abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, wobei der alte Giebel jedoch erhalten blieb. Das Waisenhaus erhielt eine Entbindungsstation und Altenzimmer. Die Gebäude wurden kanalisiert und mit einer Kläranlage verbunden; es gab eine neue Warmwasserversorgung und die Umstellung auf Elektrizität. Anstatt mit Kalk zu tünchen, wurden die Wände erstmals mit Lack- und Ölfarben gestrichen. Der ganze Krankenhauskomplex verfügte jetzt über 120 Betten und war ein wichtiger medizinischer Anziehungspunkt für den ganzen Kreis Kleve.
Das St.-Nikolaus-Hospital war jedoch nicht nur in medizinischer, sondern auch in städtebaulicher Hinsicht von wichtiger Bedeutung. Für Richard Klappheck war es die "malerischste Gebäudekomposition in Kalkar. ... Voluten- Satteldach- und Treppengiebel mit Zinnen und Fialen geben sich hier ein Stelldichein... Die helleren Klinker, weiß gefugt, vor tiefrotem Pfannendach gegen blauen Himmel. Die hellen Hausteinplatten auf den Fialen und Zinnen sind farbig von ganz eigener Wirkung und wieder wichtig für die Formorientierung. Das ganze ein Farbenlabsal für das Auge von unbeschreiblichem Reiz."

Zerstörung und Wiederaufbau
Ein Ende fand diese Pracht während des 2. Weltkrieges am 7. Februar 1945 beim ersten Bombenangriff auf Kalkar. Insgesamt sechs Bomben schlugen im Garten des Hospitals ein und beschädigten Dach, Gartenseite des Hauses, die Kapelle und das Isolierhaus schwer. Trotzdem hielten die Schwestern den Betrieb aufrecht, denn es wurden 20 Schwerverletzte und annähernd die gleiche Anzahl Toter eingeliefert. In den darauffolgenden Tagen wurde das zerstörte Krankenhaus zum Hauptverbandsplatz und zur Verpflegungsstelle für versprengte Soldaten. Ihre Zahl wuchs rasch auf rund 1000 Mann, die allerdings am 15. Februar den Platz räumten und dabei vor dem Krankenhaus ein großes Munitionslager zurückließen. Eine Woche später, am 22. Februar 1945, brach im Altbau ein verheerendes Feuer aus. Das Gebäude wurde vollständig vernichtet, der Neubautrakt konnte jedoch teilweise gerettet werden. Auf Anordnung der Behörde mussten die Schwestern das Krankenhaus zeitweilig verlassen; sie kehrten jedoch am 4. April 1945 endgültig zurück, um unverzüglich mit den Aufräumarbeiten zu beginnen. Am 26. Juni 1945 konnten wieder Patienten aufgenommen werden. Noch im selben Jahr begann man mit den Bauarbeiten zur Errichtung eines Neubaus als Ersatz für den zerstörten Altbau. Nach der Fertigstellung 1949 bot er neue Verwaltungsräume, Küche und Bäckerei, eine Frauenstation und ein Entbindungszimmer. Ebenso wurden das Kesselhaus erneuert und das Waschhaus erweitert. 1950 konnten diese Arbeiten, einschließlich der Restaurierung der Kapelle, abgeschlossen werden. Im Krankenhaus arbeiteten zu dieser Zeit 20 Ordenschwestern, 2 weltliche Krankenpflegerinnen, 12 Hausgehilfinnen, sieben Lernköchinnen, fünf männliche Angestellte und drei zugelassene Ärzte. Insgesamt standen auf den verschiedenen Stationen 115 Betten zur Verfügung.

Kampf der Kalkarer um das St.-Nikolaus-Hospital
Ein mehr als 25 Jahre andauernder Kampf der Kalkarer um den Erhalt ihres St.-Nikolaus-Hospitals begann 1962 mit einer Anordnung, die Kinderstation aus dem Dachgeschoss zu verlegen. Der Kuratoriumsvorsitzende Dechant Draht und Bürgermeister Theißen fuhren nach Düsseldorf, um sich bei der Landesregierung um Unterstützung für die notwendigen Umbaumaßnahmen zu bemühen. Daraufhin besuchte am 17. Mai 1962 der nordrhein-westfälische Arbeits- und Sozialminister Grundmann Kalkar, um sich an Ort und Stelle ein Bild der Lage zu machen. Er schlug vor, im Garten des Hospitals einen Krankenhausneubau mit 140 bis 150 Betten zu errichten und den Vorbau anschließend abzureißen, da man innerhalb des Stadtgebietes keinen anderen Standort finden konnte. Das Josefshaus sollte nach dieser Planung als Sanatorium für Krebskranke dienen, Haus Siebenlinden als Schwesternheim und Altersheim. Doch statt der Umsetzung dieses Vorschlages folgte in den nächsten Jahren ein zermürbendes Hin und Her mit immer neuen Planungsansätzen im Zuge sich ändernder Vorstellungen der Landesregierung hinsichtlich des Versorgungsplanes für Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen. Eine Auflage der Kreisaufsichtsbehörde, die 1965 für einen Krankenhausneubau einen Standort außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes verlangte, machte die Lage noch komplizierter. Die Stadt erstand daraufhin ein Grundstück auf dem Kalkarberg, konnte jedoch auch damit die Planungen nicht voranbringen. Neue Hoffnung keimte auf, nachdem 1973 die Zielkonferenz von Vertretern der Kreise Kleve, Moers, Rees und Dinslaken sowie der Stadt Duisburg und Vertreter der Spitzenverbände der Caritas, der inneren Mission, des Landschaftsverbandes und des Krankenkassenverbandes eine Entscheidung zum Erhalt des Kalkarer Krankenhauses als drittes Akutkrankenhaus neben Kleve und Goch gefällt hatte. Noch hatte man sich also dem grassierenden Krankenhaussterben widersetzen können. Als im Oktober 1974 die Bezirksregierung die Neubaupläne vom Planungsbüro anforderte, rückte ein Krankenhausneubau mit etwa 200 Betten aus Mitteln des Konjunkturförderungsprogramms der Bundesregierung in greifbare Nähe. Statt dessen aber ordnete der Regierungspräsident am 26. November 1975 die Einstellung der Planungsarbeiten an, die sich übrigens wieder auf einen Neubau an der Stelle des vorhandenen Gebäudes konzentriert hatten. 1980 sollte dann ein Kooperationsvertrag mit dem Krankenhaus Kleve einen Schluss-Strich unter die wirtschaftliche Eigenständigkeit des St.-Nikolaus-Hospitals ziehen. Überraschend verweigerte jedoch das Kuratorium die Zustimmung zum Kooperationsvertrag, aus Angst, damit gleichzeitig das baldige Ende des St.-Nikolaus-Hospitals zu besiegeln. 1986 wurden dringend benötigte Brandschutzmaßnahmen im Gesamtwert von rund 600000 Mark mit Landesmittel durchgeführt, doch nach wie vor schien der Erhalt des Krankenhauses nicht gesichert. Trotzdem wollten die Kalkarer es nicht als Protest gegen ein drohendes Aus, sondern als einen neuen Impuls verstanden wissen, als sie am 24. April 1987 mit überwältigender Resonanz einen Förderverein zur finanziellen und ideellen Unterstützung des St.-Nikolaus-Hospitals gründeten.

Neuorganisation der Stiftung
Das lange Zittern und Bangen um den Fortbestand fand erst am 1. Oktober 1987 sein Ende. Für die vom Gesundheitsministerium in Düsseldorf gebilligte Organisation als Chefarztkrankenhaus legte die Arbeitsgemeinschaft der Krankenhäuser und Krankenkassen für das St.-Nikolaus-Hospital die Abteilungen Innere Medizin und Psychiatrie bzw. Gerontopsychiatrie fest. Im Oktober 1988 trat die Neuorganisation in Kraft. Die Planung für die Stiftung umfaßte nun erstens das Krankenhaus mit einer Abteilung für Innere Medizin mit 32 Betten und einer Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie mit 70 Betten sowie zweitens den Bereich Seniorenservice mit Eigenbetrieben und Betriebsführung von anderen Seniorenheimen in Grieth, Wissel und Pfalzdorf als Dienstleistung.
Eine weitere wichtige Nachricht erreichte das St.-Nikolaus-Hospital im darauffolgenden Dezember: Aus dem Krankenhausinvestitionsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen wurden fünf Millionen DM für das St.-Nikolaus-Hospital zur Verfügung gestellt. Ein knappes Jahr später, im November 1990, erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubautrakt, der am 22. November 1991 feierlich eingeweiht wurde. Im Rahmen der Bauarbeiten wurde auch der Altbau renoviert und das 1988 sanierte Josefshaus über einen Verbindungstrakt mit den Hauptgebäuden verbunden. Am 12.1.1995 begannen die Bauarbeiten für das neue Seniorenheim hinter dem Krankenhaus, das schon im Dezember des gleichen Jahres bezogen werden konnte. Es bietet Platz für 40 Dauer-, 12 Kurzzeit- und 10 Tagespflegeplätze. Weitere 43 Dauerpflegeplätze stehen im Seniorenwohnheim Marienstift Kalkar zur Verfügung, das von der Stiftung als weiterer Eigenbetrieb geführt wird.
Seit dem 01.01.2003 gehört das St. Nikolaus-Hospital zur Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft bzw. seiner Verbundvorgänger.
Trotz aller Änderungen, die die Entwicklung des St.-Nikolaus-Hospitals von einer Anstalt barmherziger Schwestern zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb mit sich brachte: Der Geist der Stifterin ist noch immer zu spüren. Sicherlich tragen dazu in ganz erheblichem Maße die nach wie vor im Krankenhaus lebenden und arbeitenden Clemens-Schwestern bei, ohne deren unermüdliches Wirken das Krankenhaus schon lange nicht mehr existierte. Ihr stiller Einsatz im seelsorgerischen Bereich, in der Krankenpflege und anderen Bereichen des Krankenhauses ist auch heute beispielgebend und durch nichts zu ersetzen.
Erfreulich ist der große Rückhalt, den das Krankenhaus in der Bevölkerung genießt und der besonders in der Arbeit des Fördervereins zum Ausdruck kommt. 84 Mitglieder, Privatpersonen wie Vereine und Institutionen, zählt er heute. Die ideelle Unterstützung ist dabei von gleicher Bedeutung wie die finanzielle Hilfe, die in den letzten Jahren von dringend benötigten Fahrzeugen über die Schaffung einer Parkanlage bis zur Entwicklung und Installation eines neuen Leitsystems für das Krankenhaus reichte.
Mit heute insgesamt 96 Betten und den beiden Fachabteilungen Innere Medizin und Psychiatrie nimmt die St. Nikolaus-Hospital gGmbH im Jahr rund 1400 Patienten stationär auf. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass sich die Patienten individuell betreut fühlen.

 
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