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Besuchshund Frida gehört im Hildegardishaus zur Familie
Türöffner auf vier Pfoten

(18.12.2019) Im Gocher Hildegardishaus gehören Elisabeth Wagner und ihr Besuchshund Frida fest zum Team. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Berührungen, die ankommen: Monika Kraus und Frida.

Ein Gespräch mit Monika Kraus wäre sicher interessant. Aber die 71-Jährige starrt nur die Wand an. Kommunikation erscheint unmöglich. Keine Berührung oder Ansprache, kein Geräusch holt sie aus der fernen Welt, die anderen Menschen verschlossen bleibt. Aber dann trippeln sanfte Schritte über den Flur der gerontopsychiatrischen Station des Hildegardishauses.

Eine blonde, große Hündin läuft gelassen an plaudernden Bewohnern, weihnachtlicher Dekoration, Rollatoren und Rollstühlen vorbei. Der Vierbeiner nähert sich Monika Kraus und stupst ihre reglose Hand an. Eine leichte Bewegung der Finger zeigt, dass diese Berührung angekommen ist. Und dann finden die Augen der dementen Bewohnerin den sanften Hundeblick. Ein Gänsehautmoment. Das Lächeln geht den Betrachtern dieser Szene tief ins Herz. Und bleibt dort auch weit über diesen Moment hinaus.

Diese stille Art der Kommunikation mit den Bewohnern des Hildegardishauses gehört zum Job der vierjährigen Hündin, von ihrer Besitzerin Elisabeth Wagner aus dem griechischen Tierschutz geholt. Sie ist ein „Türöffner“ für verschlossene Menschenseelen. Und sie ist täglich im Einsatz mit Elisabeth Wagner, Alltagsbegleiterin in der Gocher Seniorenpflegeeinrichtung.

Emotionen werden sichtbar

„Als Elisabeth Wagner zu uns kam, habe ich eigentlich zwei Alltagsbegleiterinnen eingestellt“, sagt Alexandra Oetelshoven, Pflegedienstleitung im Hildegardishaus. „Frau und Hund“. Der Hund öffnet bei den Bewohnern viele Türen. Türen, hinter denen Emotionen, Erinnerungen und Glücksmomente liegen. Und wenn Frida anklopft, werden sie manchmal sichtbar. Oder ihr vierbeiniger Kumpel Capri, Alexandra Oetelshovens Bernhardiner. Gewichtig und ebenso als Besuchshund ausgebildet wie Frida.

Tiere sind im Hildegardishaus gern gesehene Begleiter, Gäste, Freunde, Familienmitglieder. Zwei Wellensittiche zählen dazu. Stationskater Oskar mag die Menschen auf der gerontopsychiatrischen Station besonders gerne und ist dort quasi zuhause. Toleriert und geliebt von den Menschen und den Besuchshunden.

Der Star ist und bleibt bei den meisten Bewohnern die Hündin Frida. Elisabeth Wagner kann zu Recht mächtig stolz sein. Denn es war ein weiter Weg vom Hund aus dem Tierschutz bis Besuchshund, auf Lebenszeit zertifiziert. Frida hat im Hildegardishaus viele Namen - zumindest auf der gerontopsychiatrischen Station. Meen Jung, Hundchen, Jacky, Mädel, Lilly, Lissi oder Lassy. Frida trägt alle Namen mit Würde. Schon am Tonfall der Bewohner erkennt sie, dass sie gemeint ist. Damit gibt sie vielen Bewohnern, die selbst einmal einen Hund hatten, ein Stück Erinnerung zurück.

Sie gehört zur großen Hildegardishaus-Familie dazu: Auch für den hellwachen Bewohner Johann Hermsen, Jahrgang 1933. Für ihn ist die Mischlingshündin zwischen Labrador und Schäferhund „perfekt“. Er muss es wissen: In jüngeren Jahren war Hermsen ein bekannter Schäferhundeausbilder und Hundeführer. Sogar der Titel des Deutschen Meisters im Schutzhundebereich schmückt die Wand seines Zimmers. Mann und Besuchshund beäugten sich anfangs skeptisch – finden sich heute aber gegenseitig richtig toll.

Ein zufriedener Hund, der den Menschen Freude bereitet

Elisabeth Wagner begleitet ihren Hund bei den Stationsbesuchen in der Regel immer. Wenn sie andere Pflichten hat, läuft Frida aber auch gerne eigenständig auf den Fluren herum und lässt sich von ihren Lieblingsmenschen kraulen. Nicht immer verrät sie dann, wo sie welche Leckereien bekommen hat. Aber immer ist sie ein zufriedener Hund, der den Menschen Freude bereitet. Dass sie nicht in den Küchen- und Essbereich darf, weiß sie und daran hält sie sich.

Am meisten freut sich die Besuchshündin auf die Spaziergänge. „Wenn das Wetter es zulässt, gehen wir gemeinsam mit den Bewohnern raus“, sagt Elisabeth Wagner, die ihre vierbeinige Freundin nicht mehr missen möchte. Sonst wird zusammen gespielt und über den Hund gesprochen. Auch gepflegt wird Frida. „Die Bewohner sind sehr achtsam im Umgang mit dem Hund“, freut sich Elisabeth Wagner.

Der einzige Wehmutstropfen für die Bewohner: Nur wenn Frauchen Elisabeth Wagner im Dienst ist, macht auch Frida ihren Job. Den Feierabend und Urlaub verbringt sie mit der Wagner-Familie. Freut sich nach den „Auszeiten“ aber mindestens so sehr auf ein Wiedersehen wie die Bewohner des Hildegardishauses sich auf „ihren“ Hund Frida freuen.