Mutter-Kind-Kuren während der Corona-Pandemie
Nach dem Schnelltest auf die „Insel der Glückseligkeit“

(26.11.2020) Gruppenkuren für Mutter und Kind – kann das während der Pandemie gelingen? Das Marianne van den Bosch Haus zeigt, wie es geht: Gut organisiert, mit viel Engagement und Gespür für das Machbare. Das Gocher Haus bietet damit derzeit deutschlandweit die einzigen Kuren für Mütter mit Kleinstkindern an.

Es ist farbiger geworden in den Räumen des Marianne van den Bosch Hauses. An den Türen finden sich Schilder mit roten, blauen, gelben oder grünen Männchen. Die Waschbecken sind farbig markiert. Und die Kinder, die ebenfalls farbige Bändchen tragen, haben schnell gelernt, wer wohin gehört.

Der neue „Farbcode“ ist nur eine der zahlreichen Maßnahmen, mit denen Kurhaus-Leiterin Katrin Hell und ihr Team das möglich gemacht haben, was fast zwischenzeitlich fast unmöglich schien: Die Einrichtung bietet auch während der Corona-Pandemie weiterhin Mutter-Kind-Kuren an.

„Wir sind derzeit die einzige Einrichtung in Deutschland, die Kuren für Mütter mit Kleinstkindern durchführt“, so Katrin Hell. Jeweils drei Wochen sind 28 Mütter mit ihren Kindern in dem Kurhaus am Stadtrand von Goch, um ihren Akku wieder aufzuladen.

Das gelingt. „Wir leben auf einer Insel der Glückseligkeit“, sagt Claudia Müller, die mit ihren beiden Töchtern Bella Marie (4) und Lilian Valeria (2) bereits zwei Wochen im Marianne van den Bosch Haus verbracht hat. Sie verbringt viel Zeit mit ihren Kindern, gemeinsam wird gebastelt, gespielt und geschwommen – und wenn die Töchter im von Gabi Mele geleiteten Kinderland sind, hat Claudia Müller auch Zeit für sich selbst, für Gespräche mit Therapeuten oder mit anderen Müttern.

Aber eben nur in ihrer Farbgruppe. Die Kurgäste sind aufgeteilt in vier Gruppen, die sich nicht durchmischen. „Das Farbkonzept ist für uns ein enormer organisatorischer Mehraufwand“, sagt Katrin Hell. Alle Mitarbeiter*innen machen Überstunden, es gibt mehr Personal im Bereich der Hauswirtschaft.

Zum aktuellen Hygienekonzept der Einrichtung gehört, dass das Essensbüffet ausgesetzt wurde, dass mehr Einzelanwendungen als sonst gegeben werden und dass im Kurhaus eine FFP2-Schutzmaske getragen wird. Das Konzept haben die Mitarbeiter*innen des Kurhauses in enger Zusammenarbeit der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums und mit dem Gesundheitsamt des Kreises Kleve erarbeitet.

So musste auch die Anreise der Mütter und Kinder komplett neu organisiert werden. Früher kamen alle Mütter im Laufe eines Tages, dann wurden Führungen durchs Haus gemacht. In großen Gruppen. Jetzt fahren die Mütter mit dem Auto bis zum Parkplatz vor der Tür. Dort werden sie von einem Mitarbeiter in Empfang genommen, der einen Corona-Schnelltest macht. Bis zum Ergebnis – das dauert eine Viertelstunde – bleiben Mütter und Kinder im Auto.

Pixi-Büchlein illustriert Sicherheitsvorkehrungen

Die Wartezeit wird mit einem kleinen Lunchpaket verkürzt. Außerdem kriegen die Kinder ein Pixi-Büchlein, das ihnen die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Pandemie bunt illustriert näherbringt. Auf der ersten Seite sollen die Kinder ein Bild vom „klitzekleinen unsichtbaren Minimonstervirus“ durchstreichen, „damit wir alle gesund bleiben“. Das Buch hilft den Müttern, ihre Kinder spielerisch auf Regeln und Alltag im Marianne van den Bosch Haus vorzubereiten, es ist komplett in Eigenregie entstanden.

Das Marianne van den Bosch Haus soll eine Corona-freie „Bubble“ bleiben. Eine Blase, in die das Virus nicht vordringen soll. Und wenn doch, müssten nur die Kontaktpersonen aus der jeweiligen Farbgruppe den Aufenthalt abbrechen – die anderen könnten bleiben.

Liebevoll organisiert

Doch kann man sich überhaupt entspannen, wenn die Schutzvorschriften einen dauernd daran erinnern, dass eine unsichtbare Gefahr lauert? Die Mütter sagen, dass es möglich ist: „Alles ist sehr schön und liebevoll organisiert – und wenn man einmal husten muss, ist sofort ein Arzt da“, berichtet Carina Schäfer, die mit ihren beiden Töchtern Emma (4) und Paula (2) in Goch ist. Und auch die Kinder nehmen die Bedrohung nicht wahr, obwohl beispielsweise vor dem Zugang zum Kinderland die Temperatur gemessen wird. „Das ist eine so wunderschöne Welt hier“, habe Tochter Emma ihr gerade erst gesagt.

„Alle Gäste sind sehr pflichtbewusst“, so Katrin Hell. Gemeinsam arbeiten Mütter und Beschäftigte daran, das Risiko so klein wie möglich zu halten. Und manche der Änderungen werden wohl auch nach Corona Bestand haben. „Wir mussten manche alte Muster aufbrechen“, so Hell. „Weil wir die Abläufe entzerrt haben, läuft vieles ruhiger und entspannter ab. Das wollen wir natürlich beibehalten.“

Hintergrund:

Das Marianne van den Bosch Haus in Goch ist eine Vorsorge- und Rehabilitationsklinik für Mütter und Kinder. Das Haus ist spezialisiert auf Mütter mit Kleinkindern bis sechs Jahren. 35 Mitarbeiter*innen – Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Heilpädagogen, Erzieher und Seelsorger – kümmern sich als multiprofessionelles Team um psychosomatische Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Belastungen der Familienverantwortung stehen sowie Störungen in der Mutter-Kind-Bindung. Das Marianne van den Bosch Haus gehört zur Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft.