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Firmlinge treffen Seniorinnen im Josefshaus zu Kunstprojekt
Erinnerungen zu neuem Leben erweckt

(14.02.2019) „Sie hat viel erlebt“, sagt Mika. „Und sie hat mir viel erzählt.“ Mika Kisters (15) spricht über Adele Schulz (91). Aber eigentlich sprechend die beiden lieber miteinander als übereinander. Um voneinander zu erfahren und zu lernen.

„Wir haben einen guten Draht zueinander“: Adele Schulz zeigt Mika Kisters Fotos aus ihrer Jugend.

Neun Firmlinge aus Gocher Gemeinden und zwölf Bewohnerinnen des Josefshauses in Pfalzdorf haben sich in den vergangenen Monaten zu einem Kunstprojekt zusammengefunden. Im Rahmen lebendiger Archivarbeit erzählten die Seniorinnen von ihrer Kindheit und Jugend, von ihrer Zeit als junge Erwachsene, von Ihrem Alltag und Leben. Die Jugendlichen schrieben dazu kurze Geschichten und illustrierten ihre Aufzeichnungen.

Die Bilder und Geschichten aus den Fotoalben der Seniorinnen wurden dabei zu neuem Leben erweckt. „Frau Schulz ist nur acht Jahre zur Schule gegangen und hat danach als Bäuerin auf dem Feld gearbeitet“, erzählt Mika. „Richtig hart gearbeitet.“

Beim Erzählen wird klar: Jeder war mal jung. So staunten die Jugendlichen nicht schlecht, wenn eine ältere Dame von ihrem quietschgelben Ford erzählte oder eine andere ein Foto hervorholte, das sie zu Karneval als Beatles verkleidet zeigte. Adele Schulz blickt gerne zurück. „Ich habe ein wunderschönes Leben gehabt“, sagt sie. „Auch jetzt genieße ich die Zeit.“

Die Jugendlichen erfuhren viel beim gemeinsamen Blick zurück – über die Berufe die Bewohnerinnen, über ihren Alltag und Reisen, die sie unternommen haben. Sie führten Lebensmittel- oder Friseurgeschäfte, Elektroläden, arbeiteten in der Schuhfabrik Hoffmann, in der Plätzchenfabrik XOX oder im Textilwerk Goch. „Ich wollte auf keinen Fall einen Bauern heiraten“, lacht Christine Pöpping, die in ihrer Jugend auf dem elterlichen Hof aushelfen musste. Erzählungen von Reisen durch Deutschland, nach Italien und Übersee machten deutlich, wie unternehmenslustig die Damen waren.

Die Idee des Kunstprojektes, im Rahmen des Kulturrucksacks NRW gefördert durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, war ein generationsübergreifender Dialog. "Das Museum Goch hat ein Projekt ermöglicht, das für alle Beteiligten eine neue Erfahrung war", resümiert Jörg Matenaers, Leiter des Josefshauses. Gemeinsam mit der Museumspädagogin Jasmin Schöne vom Museum Goch, den Künstlern Maren Rombold und Marco Henkenjohann wurden mit den Jugendlichen die künstlerischen Arbeiten und Texte erstellt. Unterstützt wurden sie bei den Projekttreffen von Pastoralreferent Dieter van Wickeren und der Kulturgeragogin Nicole Brögmann.

Wenn das Firmlingsjahr im März zu Ende geht, werden die Geschichten, die gerahmten Bilder und Collagen des Projektes einen Platz im Josefshaus finden.