So arbeitet eine Notaufnahme
Immer auf alles vorbereitet

Etwa 30.000 Patienten werden pro Jahr in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klever St.-Antonius-Hospitals versorgt. Im Notfall müssen Ärzte und Pfleger in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen treffen.

Der Schockraum ist ein spezieller Behandlungsraum, in dem die Erstversorgung schwerstverletzter Patienten stattfindet – etwa nach einem Autounfall. Im St.-Antonius-Hospital sind es vom Rettungswagen zum Schockraum keine 10 Meter. Ein CT steht im Nachbarraum, sofort einsatzbereit. Notfalldiagnostik wie ein „Trauma-Scan“ ist also schnellst- und bestmöglich organisiert.

In den Notaufnahmen des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums greifen viele Räder ineinander. „Das Notfallmanagement funktioniert nur im Team“, weiß Dr. Ronald Jelinski, ärztlicher Leiter der ZNA im St.-Antonius-Hospital. „Interdisziplinär“ sagt man und meint damit das Zusammenspiel vieler Menschen und Berufsgruppen: Ärzte, Pflegekräfte, Radiologieassistentinnen, Reinigungskräfte, Handwerker, EDV, Verwaltung , Hol-und Bringedienste, Rettungsdienst, Labor.

„Wir müssen immer auf alles vorbereitet, immer handlungsfähig sein“, so Jelinski. Das bedeutet konkret: Nicht nur die richtige medizinische Entscheidung, auch die schnelle Reinigung und Desinfektion eines Behandlungsraumes ist sehr wichtig.

In der Zentralen Notaufnahme des St.-Antonius-Hospitals sind viele medizinische Fachrichtungen gefragt. Innere Medizin, Kardiologie, Urologie, Neurologie, Unfallchirurgie. Denn nicht jeder Patient benötigt den gleichen Arzt, manche brauchen mehrere.

Bei einem Polytrauma etwa kann es im Schockraum voll werden. Dann haben alle ihren Platz. Jeder weiß genau, wo er zu stehen hat. „Ruhig und geordnet muss es sein“, sagt Jelinski. Und spricht dabei über eine Behandlung, die vielleicht über Leben und Tod entscheidet. Weil Zeit dabei immer eine Rolle spielt, zählt eine große Uhr die Minuten und Sekunden.

Das Miteinander der beteiligten Fachabteilungen im Krankenhaus zu organisieren, ist eine seiner Hauptaufgaben. Die ZNA ist eine Schnittstelle, vergleichbar mit der Intensivstation eines Krankenhauses.

Die meisten Patienten kommen mit Brüchen und Schnitten sowie internistische Erkrankungen in die Notfallambulanzen – ins St.-Antonius-Hospital Kleve, ins Wilhelm-Anton-Hospital Goch und ins Marienhospital Kevelaer. „Sie haben Schmerzen“, sagt Jelinski. Er ist Anästhesist, Schmerzexperte. Die Wartezeit ist deshalb immer ein Thema. So kurz wie möglich soll sie sein. Manchem Patienten wird sie trotzdem zu lang.

Dr. Ronald Jelinski und Bernard Alijaj (v.l.)

„Wir versuchen alles, um alle Patienten in angemessener Zeit zu untersuchen“, sagt Bernard Alijaj, der das fast 30-köpfige Pflegeteam der Klever ZNA leitet. Wie schnell Patienten behandelt werden, hängt vor allem vom Schweregrad Ihrer Erkrankung oder Verletzung ab.

Zur Ersteinschätzung nutzt das geschulte Pflegepersonal das Manchester Triage System (MTS). „Ein lang erprobtes und weit verbreitetes Verfahren, mit dem Zustand und Behandlungsreihenfolge von Patienten zuverlässig eingeschätzt und festgelegt werden können“, so Alijaj, der wie viele Kollegen eine Zusatzweiterbildung in „Notfallpflege“ absolviert hat. Vereinfacht gesagt: Je kritischer ein Zustand, desto kürzer die Wartezeit. Ein Herzinfarkt fährt sofort ins Herzkatheterlabor, ein verstauchter Knöchel muss mitunter warten.

Ein „Holding-Bereich“ mit sechs Betten – zentral überwacht – bietet auch in der Notaufnahme Platz für Patienten, die auf eine stationäre Aufnahme warten. Je nach Diagnose werden sie auch in andere spezialisierte Häuser des Klinikums verlegt, wenn ihr Zustand es zulässt. „Wenn sie stabil sind“, sagt der Mediziner.

Es gibt auch Krankheitsbilder, die in den Notfallambulanzen des Klinikums nur erstversorgt werden können, weil die entsprechenden Fachabteilungen fehlen: Augen-, Zahn- oder Hautärzte. Dann werden die Patienten nach der Erstversorgung an einen Facharzt oder an eine geeignete Klinik verwiesen.

Die Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung – seit Juli 2021 im St.-Antonius-Hospital Kleve etabliert – hat die Versorgung für alle verbessert. Außerhalb der Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte, finden Erwachsene und Kinder dort eine Anlaufstelle. Damit ist in der Notaufnahme des St.-Antonius-Hospitals mehr Raum für Notfälle, für die richtigen Entscheidungen in kürzester Zeit.